Walsleben

920 wird Walsleben, an der Südgrenze der Wische liegend, zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es ist die älteste Siedlung in der Altmärkischen Wische. Walsleben gehört zu den wenigen Dörfern dieser Gegend, die eine geschlossene Ortschaft bilden. Der Name Walsleben setzt sich aus  zwei Teilen zusammen. Die Endung „leben“ leitet sich von „lewa = Erbgut“ ab.  Damit wurde der unbewegliche Nachlass eines Verstorbenen bezeichnet. Der erste Teil des Ortsnamens enthält einen Personennamen. Es wird vermutet, dass die Namen Waldo, Wallo, Walli o. ä.  dabei eine Rolle spielten. 

Bei Sandförderungen wurden Ascheurnen gefunden, die auf wendischen Ursprung schließen. Walsleben als Mittelpunkt des Gaus Belesene (Gebietsbezeichnung) war dem Bistum Halberstadt zugeordnet.
Bei Ebers liest man: „ Walsleben war eine der ältesten Städte der Altmark und hat in den blutigen Wendenkriegen eine große Bedeutung gehabt. 929 wurde der Ort, bei dem jedenfalls eine alte deutsche Burg lag, bei dem Einfall der Wenden völlig zerstört“. In der Chronik des Ortes kann man viel über die Geschichte des ehemaligen Rittergutes, über die Entwicklung des Schulwesens,und Walsleben als Bahnstation u.a.m. nachlesen.


Walsleben als Bahnstation


Der Besitzer der Rittergüter Rohrbeck und Iden, Philipp Freise, besaß große fruchtbare Ländereien, auf denen er gute Erträge erzielte. Schwierig gestaltete sich jedoch die Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, da es zu jener Zeit in dieser Gegend noch keine befestigten Straßen gab. Die Wege waren bei schlechtem Wetter kaum passierbar und erforderten dermaßen viele Zugkräfte (Pferde) bei schwerbeladenen Wagen, dass der Gutsbesitzer beschloss, seine Güter durch den Bau eines Schienenstranges mit der Bahnstation Goldbeck zu verbinden. Mit dem Bau der Privatbahn wurde im Jahre 1881 begonnen. Am 1.4.1886 wurde der erste Streckenabschnitt Goldbeck-Iden dem öffentlichen Verkehr übergeben. In der zweiten Etappe erfolgte der Ausbau der Strecke zwischen Iden und Giesenslage. Anfangs wurde die Bahn von Pferden gezogen, später kam eine Dampflokomotive zum Einsatz.
Seit Oktober 1886 beförderte die Freisesche Anschlussbahn nicht mehr nur Güter, sondern auch Personen. Bis zum 1.10.1898 wurde der letzte Streckenabschnitt der Kleinbahn zwischen Giesenslage und Werben fertiggestellt.

Bis 1947 befand sich das Unternehmen in Familienbesitz, danach wurde es Volkseigentum.
Bis 1949 blieb die Kleinbahn in der Verwaltung der Landesbahnen und am 1.1.1950 wurde sie von der Deutschen Reichsbahn übernommen.
 
Am 25.09.1971 hat man den Zugverkehr, der Kleinbahnstrecke zwischen Goldbeck und Werben nach 85 Betriebsjahren eingestellt. Die letzte Fahrt der Kleinbahn von Goldbeck nach Werben war am 7.11.1971.

Kirche Walsleben

 Vor der Zerstörung des Ortes im Jahre 929 gab es vermutlich schon eine Kirche. Die jetzige Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Es handelt sich um eine Kollegiatkirche – mehrere Pfarrer taten hier ihren Dienst.

3-teilige Feldsteinkirche  -  Turm, Schiff, Chor
- Turm in Breite des Schiffes
- Rechteckiges Schiff
- Quadratischer Chor mit geradem Abschluss

Turm:
Das kleinteilige Mauerwerk und unregelmäßige Eckquader fallen im Glockengeschoss besonders auf. (Vermutlich bei der Wiederherstellung der im 30-jährigen Krieg „arg zugerichteten“ Kirche entstanden). Der Westeingang im Erdgeschoss des Turmes ist später eingebrochen.

Schiff und Chor:
Bei wiederholten Umbauten sind alle romanischen Merkmale (Fenster und Portale) verändert worden.
Die Fenster von 1885 haben Backsteinleibungen, Schiff und Chor neues Backsteingesims. (Zahnschnitt und Konsolenfries)

Ausstattung:
- Schiff = verschalte Balkendecke
- Chor = kuppelförmiges Kreuzgratgewölbe
- Westempore
- Fußboden mit Backsteinen belegt
- Altar, Taufstein und Orgel, 1885
- Kruzifix, 1699
- freistehendes hölzernes Sakramentshaus, 14. Jh.
- Gotisches Chorgestühl an der Nordseite des Chores, sichtbares Zeichen einer Kollegiatskirche
- Reste des Chorgestühls an der Südseite des Chores
- Kanzel an der Südostecke des Schiffes, die Gemälde stellen die Evangelisten dar
- Barocker Taufengel vor dem Triumphbogen von 1703
- 2 farbige Chorfenster gestiftet von Graf Zedlitz-Trütschler hergestellt vom Charlottenburger Institut für Glasmalerei in Berlin
- „Jairi Töchterlein“ rundbogiges Gemälde im Schiff gestiftet von Frau von Rohr
- An der Südseite, nahe der Kanzel, ein Epitaph des 1611 verstorbenen Hans v. d. Schulenburg
- 1 Bronzeglocke gegossen 1661 von Daniel Jensen, Salzwedel
- 1 Stahlglocke gegossen 1924 von Stoermer, Erfurt